Arbeitsabläufe · Qualitätssicherung
Qualität sichern.Auch bei mehr Projekten.
Verankern Sie die Qualitätssicherung als festen Prüfschritt vor jeder Freigabe, nicht als Blick zum Schluss. Kern ist das Vier-Augen-Prinzip: Wer plant, prüft nicht sich selbst. Legen Sie je Leistungsphase fest, was geprüft wird, wer prüft und wie die Freigabe dokumentiert wird. Das ist auch haftungsrelevant, denn Mängelansprüche aus Planungs- und Überwachungsleistungen für ein Bauwerk verjähren nach § 634a BGB erst in fünf Jahren.
Kurz beantwortet · Stand September 2026
01 Ablauf
Planprüfung im Vier-Augen-Prinzip.
Prüfumfang vorab festlegen
Bestimmen Sie vor der Prüfung, was kontrolliert wird: Vollständigkeit, Maße, Normen, Schnittstellen zu anderen Gewerken, Kostenannahmen. Eine kurze Prüfliste je Leistungsphase hält den Umfang gleich, egal wer prüft. Verantwortlich: Projektleiter.
Prüfer benennen, der nicht selbst geplant hat
Die Prüfung übernimmt eine zweite fachkundige Person. Wer den Plan erstellt hat, prüft ihn nicht allein frei. In kleinen Büros kann das ein Kollege aus einem anderen Projekt oder der Büroinhaber sein. Bei fehlender eigener Kapazität kommt ein externer Prüfblick in Frage.
Fachlich prüfen und Befunde festhalten
Der Prüfer geht die Liste durch und notiert Befunde nachvollziehbar, etwa als Kommentar im Plan oder in der Projektplattform. Unklare Punkte werden markiert, nicht stillschweigend geändert. Unterlagen: Prüfliste, Planstand, Normbezüge.
Befunde einarbeiten und nachverfolgen
Der Ersteller arbeitet die Befunde ein. Offene Punkte bleiben sichtbar, bis sie erledigt sind. Wichtig ist die Rückkontrolle: geändert heißt nicht automatisch richtig. Bei sicherheitsrelevanten Punkten prüft der Prüfer die Korrektur erneut.
Freigabe dokumentieren
Erst nach Abschluss der Prüfung erfolgt die Freigabe mit Datum, Planstand und Namen. So ist später nachvollziehbar, welcher Stand geprüft und freigegeben wurde. Das schützt bei Rückfragen und im Streitfall.
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02 Prüfstufen
Was Sie wann prüfen je Leistungsphase.
| Leistungsphase (HOAI) | Prüfschwerpunkt | Prüfer |
|---|---|---|
| Entwurf (Lph 3) | Konzept, Kosten, Grundannahmen | Erfahrener Planer |
| Genehmigung (Lph 4) | Vollständigkeit, Bauvorlagen, Fristen | Bauvorlageberechtigter |
| Ausführung (Lph 5) | Maße, Details, Schnittstellen der Gewerke | Zweiter Fachplaner |
| Ausschreibung (Lph 6/7) | Leistungsverzeichnis, Mengen, Vergaberecht | Projektleiter, AVA-Verantwortlicher |
| Bauüberwachung (Lph 8) | Ausführung gegen Plan, Mängel, Dokumentation | Bauleiter, zweite Person |
03 Fehler
Typische Fehler in der Qualitätssicherung.
- Selbstprüfung: Wer plant, prüft sich selbst. Bekannte Denkfehler wiederholen sich dabei.
- Prüfung nur am Ende. Fehler in frühen Phasen ziehen sich durch alle folgenden Pläne.
- Kein fester Prüfumfang. Jeder prüft anders, wichtige Punkte fallen durch.
- Befunde mündlich statt schriftlich. Später ist unklar, was geprüft und was erledigt wurde.
- Keine dokumentierte Freigabe. Im Streitfall lässt sich der geprüfte Planstand nicht belegen, obwohl die Verjährung nach § 634a BGB bei Bauwerken fünf Jahre beträgt.
- Schnittstellen zu Subplanern und anderen Gewerken werden nicht geprüft, obwohl dort die meisten Kollisionen entstehen.
04 Checkliste
Checkliste vor jeder Freigabe.
- Prüfumfang je Leistungsphase liegt als Liste vor.
- Prüfer benannt, der den Plan nicht selbst erstellt hat.
- Befunde schriftlich und nachvollziehbar festgehalten.
- Sicherheitsrelevante Korrekturen erneut geprüft.
- Schnittstellen zu anderen Gewerken und Subplanern kontrolliert.
- Freigabe mit Datum, Planstand und Name dokumentiert und abgelegt.
05 Fragen
Häufige Fragen kurz beantwortet.
Was bedeutet das Vier-Augen-Prinzip in der Planung?
Ein Plan wird von einer zweiten fachkundigen Person geprüft, die ihn nicht selbst erstellt hat. So fallen Fehler auf, die dem Ersteller entgehen. In kleinen Büros kann das ein Kollege aus einem anderen Projekt oder der Büroinhaber sein.
Wie lange haftet ein Planungsbüro für Fehler?
Nach § 634a Abs. 1 Nr. 2 BGB verjähren Mängelansprüche bei Planungs- und Überwachungsleistungen, die ein Bauwerk betreffen, in fünf Jahren. Die genaue Frist im Einzelvertrag kann abweichen und sollte geprüft werden. Eine dokumentierte Freigabe hilft im Streitfall.
Muss ein Büro nach ISO 9001 zertifiziert sein?
Nein. DIN EN ISO 9001 beschreibt ein Qualitätsmanagementsystem, ist aber keine Pflicht für Planungsbüros. Bei öffentlichen Aufträgen kann ein Nachweis zum Qualitätsmanagement gefordert sein. Ein einfacher, gelebter Prüfablauf ist wichtiger als ein Zertifikat im Schrank.
Quelle: GWB, VgV, SGB IV, AÜG, BGB (MoPeG), HOAI 2021 in der geltenden Fassung. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung. Stand September 2026. Keine Rechtsberatung, maßgeblich ist der jeweilige Gesetzes- oder Normtext.
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